Spurenstoffe

Medikamente, Industriechemikalien, Körperpflege- und Pflanzenschutzmittel gelangen täglich in unser Abwasser und hinterlassen dort sogenannte anthropogene Spurenstoffe. Das Gefährdungspotential dieser Stoffe ist noch weitgehend unerforscht.

Ein gezielter Abbau von Spurenstoffen kann in den heutigen Kläranlagen nicht erfolgen. Europaweit wird derzeit in einer Vielzahl von Forschungsvorhaben eine Elimination von Mikroschadstoffen mit Hilfe von sogenannten 4. Reinigungsstufen auf kommunalen Kläranlagen erprobt und untersucht.


Forschung zum Schutz der Gewässer

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Gewässerbelastung durch Spurenstoffe genau zu erforschen und dadurch Rückschlüsse auf geeignete, effiziente und wirtschaftliche Maßnahmen zur Verminderung und Vermeidung zu entwickeln. Zu diesem Zweck wurden drei unterschiedlich angelegte Forschungsprojekte gestartet:

Das Einzugsgebiet der oberen Blies umfasst neben den größeren, industriell geprägten Städten Neunkirchen und Homburg ländliche Räume wie im  Quellgebiet oberhalb von Sankt Wendel und am Nebenfluss der Oster. Daher ist es beispielhaft für die vielen unterschiedlichen Regionen im Saarland. Im Rahmen eines Projektes (12.2016-11.2019) mit der TU Kaiserslautern wurde zunächst ein Messprogramm durchgeführt, das der Kontrolle eines Simulationsprogramms diente. Mit diesem wurde eine sogenannte Stoffflussmodellierung vorgenommen, bei der anhand von verschiedenen Szenarien die Auswirkungen der Nachrüstung einzelner Kläranlagen mit speziellen Reinigungsstufen zur Elimination von Spurenstoffen auf die Gewässerbelastung untersucht wurden. Gemessen wurde an drei Stellen im Gewässer und im Ablauf von vier Kläranlagen. Für die simulierten Szenarien wurden Kosten und Nutzen betrachtet. Die hier gewonnenen Erkenntnisse wurden schließlich auf das gesamte Saarland übertragen. Das Land hat das Vorhaben mit Zuschüssen zu zwei Dritteln gefördert; die restlichen Kosten trug der EVS.

Außerdem wirkt der EVS am Forschungsvorhaben "EmiSûre" mit, in dem die Universitäten Luxemburg und Kaiserslautern Verfahren zur kosteneffizienten Elimination von Spurenstoffen entwickeln wollen. Hier besteht Forschungsbedarf, da die meisten Technologien für vierte Reinigungsstufen für große Kläranlagen entwickelt wurden und sich daher nicht unbedingt für ein gutes Kosten- Nutzen-Verhältnis auf Kläranlagen mit weniger als 50.000 angeschlossenen Einwohnern eignen. Für dieses Vorhaben erhalten die beiden Universitäten, zwei luxemburgische Zweckverbände und der EVS Zuschüsse von der Europäischen Union im Rahmen des Förderprogramms Interreg VA.

weitere Informationen zum Projekt EmiSûre

Beim Projekt "CoMinGreat" im Förderprogramm Interreg VA mit einer Laufzeit bis Ende 2022 hat der EVS die Federführung inne. Bei "CoMinGreat" sollen auf der saarländischen Kläranlage in Bliesen mehrere Technologien für sogenannte vierte Reinigungsstufen parallel installiert und direkt miteinander verglichen werden. Zum Einsatz kommt dabei auch der im vorgenannten Projekt "EmiSûre" entwickelte Bodenfilter mit Spezialsubstraten, der als kostengünstige Alternative für kleinere und mittlere Kläranlagen entwickelt wurde. Betrachtet wird unter anderem, welche weiteren positiven Auswirkungen sich auf die Reinigungsleistung der Kläranlage ergeben. Darüber hinaus soll eine Internetplattform entwickelt werden, die mittels einer interaktiven Karte alle in der Großregion vorhandenen Informationen zum Thema Spurenstoffe abrufbar macht. Neben dem EVS sind die Universitäten Luxemburg, Kaiserslautern und Nancy sowie zwei Verbände aus Lothringen und Belgien als Projektpartner beteiligt.

weitere Informationen zum Projekt "CoMinGreat"

Abwasser: Alle Stoffe, die im Haushalt weggespült werden, gelangen auch in die Kläranlagen: Desinfektionsmittel aus Bad und Küche, Tenside und Biozide aus Shampoos, Wasch- und Reinigungsmitteln, Duftstoffe aus Toilettensteinen, Konservierungsstoffe aus Nahrungsmitteln, Medikamente im Urin, Weichmacher aus Kunststoffflaschen, Farbstoffe aus Kleidern.

Landwirtschaft: Tierarzneimittel, Pflanzenschutzmittel und Düngemittel, die von den Feldern in Gewässer geschwemmt werden.

Luft und Niederschläge: Feinstaub aus Schornsteinen und Auspuffen, Reifenabrieb, Asbest aus Altlasten, Dioxin aus Großbränden, Inhaltsstoffe von Anstrichfarben, Flammschutzmittel aus Baumaterialien.

Was kann der Einzelne tun?

  • Abgelaufene oder überflüssige Medikamente gehören in den Hausmüll, nicht in die Toilette!
  • Hausmittel wie Zitrone und Essig statt „chemischer Keulen“ verwenden.
  • Bei hartnäckigem Schmutz Scheuermilch verwenden.
  • Beim Kauf von Reinigungsmitteln auf biologisch abbaubare Inhaltsstoffe achten.
  • Keine Kosmetikartikel mit Mikroplastik benutzen.

Was kann die Politik tun?

  • Kennzeichnung von Produkten bezüglich ihrer Auswirkung auf Gewässer, z.B. mit einem Ampelsystem, auf den Weg bringen.
  • Industriechemikalien und Medikamente vor Zulassung auf Auswirkungen auf das Leben in Gewässern untersuchen lassen.
  • Wirkstoffe mit schädigendem Einfluss auf Gewässersysteme verbieten.

EU-Wasserrahmenrichtlinie

Die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union hat zum Ziel, mit Maßnahmenprogrammen für alle europäischen Gewässer spätestens bis 2027 einen guten Zustand zu erreichen. Im „gutem Zustand“ ist ein Gewässer, wenn die Lebensgemeinschaft der Wasserbewohner nur geringfügig von ihrem natürlichen Zustand abweicht. Gesetze zur Spurenstoffproblematik wurden noch nicht erlassen; Bemessungskriterien für die 4. Reinigungsstufe liegen noch nicht vor. Da die Interessen und örtlichen Gegebenheiten sehr unterschiedlich sind, kann die Umsetzung in den einzelnen Regionen mit hohen Kosten verbunden sein.