Abwassermonitoring

Im Frühjahr 2020, als sich die Coronapandemie weltweit ausbreitete, suchten Forscher nach einem zuverlässigen Frühwarnsystem für das Virus. Eine vielversprechende Lösung ergab sich durch die Analyse von Abwasserproben, da Infektionserreger unter anderem über den Stuhl ins Abwasser gelangen und dort entsprechend nachgewiesen werden können.

Nach einzelnen lokal begrenzten Forschungsprojekten legte das Pilotprojekt ESI-CorA in Deutschland den Grundstein für eine flächendeckende Überwachung von SARS-CoV-2 im Abwasser. Mit der Aufnahme des Abwassermonitorings in das Infektionsschutzgesetz wurde im November 2022 der nationale Pandemieradar aufgebaut. Derzeit werden Daten aus allen 16 Bundesländern von etwa 114 Kläranlagen-Standorten in die Analysen einbezogen. Das Robert-Koch-Institut erstellt wöchentlich einen Bericht zur Abwasserüberwachung basierend auf den gesammelten Daten.

Der EVS beteiligt sich mit seinen Anlagen in Saarbrücken-Burbach, Saarlouis, Illingen-Wustweiler und Neunkirchen-Wellesweiler aktiv am Abwassermonitoring.

Einblick in die Probenahme und Analytik auf der Kläranlage in Saarbrücken-Burbach

Probenahme

Auswertung


Das Projekt AMELAG

Das Projekt AMELAG (Abwassermonitoring für die epidemiologische Lagebewertung), als Nachfolgeprojekt von ESI-CorA, verfolgt mehrere zentrale Aufgaben. Dazu gehören die Ausweitung der abwasserbasierten Überwachung von SARS-CoV-2 auf bis zu 175 Kläranlagen, die Harmonisierung der Arbeitsabläufe, Qualitätskontrolle und Normalisierung der Daten sowie die Ausdehnung der Überwachung auf andere Erreger oder Krankheitsindikatoren.

Abwasserüberwachung, auch als Abwassersurveillance bekannt, bezeichnet das gezielte Untersuchen von Abwasser auf Krankheitserreger. Das Ziel besteht darin, anhand dieser Daten bevölkerungsweite Maßnahmen zur Bekämpfung von Infektionen zu ergreifen. Experten analysieren diese Informationen im Vergleich zu bestehenden Krankheitsüberwachungssystemen, um die lokale Situation umfassend zu bewerten.

Das AMELAG-Projekt wird vom Robert-Koch-Institut und dem Umweltbundesamt in Zusammenarbeit mit dem Projektträger Jülich und weiteren Partnern durchgeführt. Die Fördersumme von insgesamt 27 Mio. Euro wird vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) zur Verfügung gestellt. Weiterhin beteiligt sind Kläranlagenbetreibende und Landeslabore aus den 16 Bundesländern, der Sanitätsdienst der Bundeswehr sowie die Technische Universität Darmstadt und weitere Universitäten. Die Laufzeit des Projekts erstreckt sich vom 1. November 2022 bis zum 31. Dezember 2024.


Video: Abwassermonitoring - Wie funktioniert's?

Ein informatives Video, bereitgestellt vom Robert Koch-Institut, erklärt die Funktionsweise des Abwassermonitorings.

Nutzungsperspektiven des Abwassermonitorings

Die Nutzungsperspektiven des Abwassermonitorings gehen über die Pandemie hinaus. Das etablierte System ermöglicht eine bessere Vorbereitung auf zukünftige Pandemien. Das Netzwerk kann auch für die Überwachung von Antibiotikaresistenzen oder Drogen genutzt werden.

Das Monitoring des SARS-CoV-2-Virus im kommunalen Abwasser eröffnet somit neue Perspektiven für die Abwasserüberwachung und deren vielseitige Anwendungen.