Regenwasserbehandlung

In den saarländischen Städten und Gemeinden wird das Abwasser überwiegend im Mischsystem abgeleitet. Beim Mischsystem wird das in Haushalten und Gewerbe anfallende Schmutzwasser zusammen mit dem Regenwasser von Dach- und Verkehrsflächen in einem Kanal gesammelt und abgeleitet.

Bei starken Regenfällen werden große Wassermengen abgeleitet, die nicht vollständig in den Kläranlagen behandelt werden können. Daher sind Bauwerke im Kanalnetz angeordnet, die einen Teil dieser Abflüsse zwischenspeichern oder vorgereinigt in ein Gewässer abschlagen.


Insgesamt betreibt der EVS 625 Anlagen zur Regenwasser- bzw. zur Mischwasserbehandlung. Sie sind an verschiedenen Stellen in den Hauptsammlernetzen der Kläranlagen angeordnet.

Nach ihrer Funktion lassen sich zwei Bauwerkstypen unterscheiden:

  • Regenüberlaufbecken und Stauraumkanäle
  • Regenüberläufe

Für die Mischwasserbehandlung innerhalb der Ortschaften sind die Kommunen verantwortlich.

Anlagen zur Mischwasserbehandlung, die an der Schnittstelle zwischen Ortskanalisation und überörtlicher Kanalisation zu errichten sind, werden entweder von der Kommune selbst gebaut und der EVS beteiligt sich an den Kosten oder der EVS baut und die Kommune beteiligt sich an den Kosten. 


Ein Regenüberlaufbecken ist ein Speicherbecken, das aus einem Zulauf, einem Ablauf zur Kläranlage und einem Überlauf in ein Gewässer besteht. Bei starken Regenfällen wird ein Teil des Wassers im Becken zwischengespeichert. Ist die Beckenkapazität erschöpft, erfolgt ein Überlauf in das nächstliegende Gewässer. Mitgeführte Feststoffe setzen sich auf dem Beckenboden ab.

Nach Ende der Niederschläge wird das gespeicherte Wasser zur Kläranlage geleitet. Abgelagerte Schlämme an der Sohle und an den Wänden des Beckens werden durch einen automatischen Spülmechanismus ausgeschwemmt und ebenfalls zur Kläranlage geleitet.

 


Stauraumkanäle

Eine spezielle Bauform von Regenüberlaufbecken ist der Stauraumkanal. Dabei wird der Durchmesser eines Kanalabschnitts über das zum Ableiten des Mischwassers notwendige Maß hinaus so stark vergrößert, dass ein entsprechendes Rückhaltevolumen direkt im Kanal entsteht. Wie bei einem Regenüberlaufbecken werden auch hier Wasser und Schmutzstoffe zurückgehalten und bei stärkerem Regen stark verdünntes Mischwasser in ein Gewässer abgeleitet. Nach Ende der Niederschläge wird das gespeicherte Mischwasser, einschließlich abgesetzter Feststoffe, über eine eingebaute Abflusssteuerung dosiert weiter zur Kläranlage geleitet.


Im Gegensatz zu einem Regenüberlaufbecken wird in einem Regenüberlauf kein Regenwasser gespeichert. Ein Teil des ankommenden Zuflusses wird zur Kläranlage geleitet. Der andere Teil des Wassers wird über eine Schwelle in das naheliegende Gewässer geleitet. An der Schwelle ist üblicherweise eine Kulissentauchwand angebracht, die grobe Stoffe zurückhält. Das überlaufende Mischwasser ist stark mit Regenwasser verdünnt und hat einen verhältnismäßig geringen Schmutzwasseranteil.