Fragen und Antworten zum geplanten Biomasse-Zentrum

Das Zentrum soll südlich des Kraftwerkes Ensdorf auf einer Freifläche an der B269 mit einem Abstand von mindestens 500 Metern zur nächst gelegenen Wohnbebauung neu entstehen. Zur Pacht vorgesehen sind 50.000 Quadratmeter.

Das hängt stark von den Mengen ab, die die Saarländerinnen und Saarländer in die Biotonne geben bzw. an der Grüngut-Sammelstelle abgeben werden, sowie vom verwendeten Transportsystem. Wir gehen heute von 6.000-8.000 Fahrzeugen pro Jahr, also ca. 31 pro Tag, aus, die aus ganz unterschiedlichen Richtungen das Saarland durchfahren werden.

Wir werden ausdrücklich in die Ausschreibung der Sammel- und Transportleistungen einen Passus aufnehmen, der die Nutzung der Autobahnen vorgibt. Darüber hinaus werden Sanktionsmaßnahmen in der Ausschreibung festgehalten für den Fall, dass es hier zu Zuwiderhandlungen kommt.

 

Wir gehen davon aus, dass die geplante Zufahrtsstraße zu den Röhrenwerken mit einer eigenen Auf- und Abfahrt zur B 269 bis zur Inbetriebnahme des Biomasse-Zentrums fertiggestellt sein wird. Sollte das nicht klappen, können wir die VSE-Zufahrt nutzen und so auch hier das Biomasse-Zentrum direkt anfahren ohne den innerörtlichen Verkehr zu belasten.

Zum einen werden sämtliche hier relevanten Anlagenteile eingehaust sein. Zum anderen haben wir einen Abstand von mindestens 500 Metern zur Wohnbebauung als Grundvoraussetzung für die Standortwahl angelegt, so dass auch dann, wenn die Tore zu einzelnen Anlagenteilen geöffnet werden, bei der Wohnbebauung keine Geruchsproblematik entsteht.

 

Gesetzlich vorgegeben ist ein Abstand zur bebauten Ortslage von 300 Metern. Da uns bewusst ist, dass das Thema Geruchsvermeidung sehr wichtig für die Akzeptanz der Anlage ist, haben wir den Abstand vorsorglich fast verdoppelt.

Sämtliche stationären lärmrelevanten Anlagenteile sind eingehaust, so dass hier im Normalfall mit keinerlei Lärmbelästigung für die Bürger zu rechnen sein wird. Zudem wurde der Abstand zur nächsten Wohnbebauung von den vorgeschriebenen 300 Metern auf 500 Meter erhöht.

Jede Anlage, in der Biogas erzeugt wird, verfügt über eine Notfackel, deren Betrieb allerdings nur für den Notfall bestimmt ist und für den Anlagenbetreiber von Nachteil ist, weil das Gas dann ungenutzt bleibt und keinen Erlös bringt. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fordert den Bau großer Biogasspeicher, ein Abfackeln ist vom Gesetzgeber nicht erwünscht.

Es ist Aufgabe des Verbandes, die Anlage ordnungsgemäß zu betreiben. Dafür wird der EVS nach bestem Wissen und Gewissen Sorge tragen. Darüber hinaus werden bereits im Rahmen der Planungen Szenarien entwickelt für den Fall, dass Situationen eintreten, die von einem ordnungsgemäßen Betrieb abweichen.

In der Regel wird der Kompost, der bundesweit in vergleichbaren Anlagen entsteht, sowohl an landwirtschaftliche Betriebe und Erdenwerke, als auch an private Abnehmer abgegeben. Das wird beim Saarkompost auch so sein.

Im Biomasse-Zentrum fallen die Energieträger Biogas und Holz an. Die holzige Fraktion wird aufbereitet und am Standort oder in einem externen Biomassekraftwerk energetisch verwertet. Dabei werden Strom und Wärme erzeugt. Der Strom kann zur Deckung des Eigenbedarfes des BMZ genutzt werden, Überschüsse werden in das Stromnetz eingespeist. Die Wärme kann vor Ort in die Fernwärmeschiene eingespeist werden.

 

Das Biogas wird entweder in einem Blockheizkraftwerk (im BMZ oder extern) in Strom und Wärme umgewandelt und eingespeist, oder aber aufbereitet (im BMZ oder extern) und in das Gashochdrucknetz oder das Erdgasnetz eingespeist. Mit einer Gastankstelle könnten die Sammel- und Transportfahrzeuge mit regenerativer Energie betrieben werden.

 

Die wirtschaftlichste Verwertung wird im Zuge der anstehenden Planungen ermittelt und ist u. a. abhängig von weiteren Aktivitäten der VSE AG am Kraftwerksstandort.

Ja, das EVS Biomasse-Zentrum ist eine Anlage nur für die Saarländerinnen und Saarländer. Es wird keine Materialimporte geben.

Die Detailplanung der logistischen Abläufe wird im weiteren Projektverlauf erarbeitet. Hierbei werden Möglichkeiten wie z.B. der Transport von Abfällen in Container-Seitenladern, wobei mehrere Container auf einem Fahrzeug transportiert werden, berücksichtigt.

Ja, schon heute ist es gesetzlich so geregelt, dass der EVS für die Verwertung des gesamten saarländischen Biogutes verantwortlich ist.

Der Verband beabsichtigt auf absehbare Zeit nicht, die Gebühren zu erhöhen, weil durch das Biomasse-Zentrum die Kostensituation langfristig stabil gehalten werden soll. So soll gerade das Biomasse-Zentrum den EVS von der Abhängigkeit steigender Kosten für Transporte und Fremdverwertung befreien.

Für die Biotonne gibt es bereits jetzt eine sog. Nutzungspflicht. Bei Nachweis einer Eigenkompostierung besteht jedoch die Möglichkeit, auf Antrag von dieser Verpflichtung befreit zu werden. Im Saarland sind die Anschlussgrade der Biotonne sehr unterschiedlich. Sie liegen z.B. in Saarlouis bei 60%, in Neunkirchen bei 30%. Der EVS strebt daher eine Erhöhung der Anschlussquote im Rahmen der bereits bestehenden Nutzungspflicht an, zum Beispiel durch kritischere Prüfung von Befreiungsanträgen.

Da wir noch ganz am Anfang aller Überlegungen stehen und es noch kein Anlagen- oder Betriebskonzept gibt, ist es wirklich schwer, hier eine seriöse Aussage zu treffen. Wir gehen von einem Invest von bis zu 40 Millionen Euro aus, der über längere Zeiträume abgeschrieben wird.

Das Witzenhausen-Institut hat die Kosten für das geplante Biomasse-Zentrum anhand von Erfahrungen mit dem Bau vergleichbarer Anlagen, die in den Jahren 2012 bis 2015 errichtet wurden, angenommen.

Der EVS wird alles tun, um vermeidbare Kostenerhöhungen abzuwehren. Allerdings ist auch für den EVS nicht vorhersehbar, wie sich in den nächsten vier bis fünf Jahren die Baupreise, insbesondere die Materialpreise, entwickeln.

Die Anlage wird von der technischen Auslegung her auf die zu erwartenden Biogutmengen abgestimmt sein. Durch die Möglichkeit der Mitverarbeitung von krautigem Grüngut kann das Biomasse-Zentrum auch in Zeiten geringeren Biogutanfalls immer optimal ausgelastet werden.

 

Kostendeckend können entsprechende Anlagen kaum sein. Der Verkauf der gewonnenen überschüssigen Energie und der Vermarktung des Kompostes sind jedoch wichtige kostendämpfende Faktoren.

 

Vor dem Hintergrund, dass eine externe Vergabe der Biogutverarbeitung immer teurer wird, macht das Konzept einer Wertschöpfung vor Ort auf jeden Fall Sinn. Es ist davon auszugehen, dass die Kosten für die Beförderung und Verarbeitung einer Tonne Biomasse bis zum Jahr 2020 von heute 75 auf rund 85 Euro ansteigen werden. Der EVS geht zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass durch die Erlöse, die mit dem Gas und Strom aus dem Biomasse-Zentrum erzielt werden, dieses Kostenniveau gehalten werden kann und damit die Gebühren stabil bleiben. 

Grüngut, egal, ob über die Grüngutsammelplätze oder die Biotonne erfasst, unterliegt in Abhängigkeit von der Vegetationszeit großen Schwankungen. Da im Biomassezentrum nur Teilströme des Grünguts in die Vergärung gehen werden, kann die eingebrachte Menge im jahreszeitlichen Verlauf variieren. Übermengen an Bio-/Grüngut können im Bypass direkt der Kompostierung zugeführt werden. Bei freien Vergärungskapazitäten können zusätzliche Grüngutmengen in die Vergärung eingebracht werden. Damit ist im gesamten Jahresverlauf ein flexibler Betrieb gewährleistet. 

Der EVS ist der größte kommunale Zweckverband im Saarland, in dem alle 52 saarländischen Städte und Gemeinden Mitglied sind. Die Kommunen sind darüber unmittelbar an dem Biomasse-Zentrum beteiligt.

Der EVS selbst ist als gebührenfinanzierter kommunaler Zweckverband verpflichtet, die Anlage kostenneutral zu betreiben und keine Gewinne zu erwirtschaften. Je nach Betreibermodell könnte jedoch auch eine Gewinnerzielung angestrebt werden.

Durch das Biomasse-Zentrum wird die Gemeinde Ensdorf ein Standort hochmoderner und vorzeigbarer Technologien im Rahmen des Energiewandels. Es kann mit der Entstehung von bis zu 30 Arbeitsplätzen gerechnet werden. Je nach Betreiberform kann es durch die Einnahme von Gewerbesteuern auch zu einem monetären Vorteil für die Gemeinde kommen. Hinzu kommt, dass die Anlage als Initialzündung für weitere Vorhaben an dem Standort gedacht ist.

Insgesamt müssen die Vorteile der Anlage auch großräumiger gesehen werden und können nicht nur auf die Gemeinde Ensdorf bezogen werden. Die mit der Anlage verbundene Wertschöpfung, die zurzeit außerhalb des Saarlandes stattfindet, kommt insgesamt der Region zugute.

Der EVS wird im weiteren Verlauf des Projektes weitere geeignete Informationsmaßnahmen durchführen. Im Rahmen der formalen Planungsprozesse zur Änderung des Flächennutzungsplanes, zur Aufstellung eines Bebauungsplanes etc. werden zudem die im Planungsrecht verankerten Informations- und Beteiligungsprozesse durchgeführt.