Entsorgungsverband Saar: 720.000 Tonnen in Bewegung - Tonnenwechsel bald geschafft
Seit März läuft der Tonnentausch – neu gegen alt – in den Kommunen, in denen der Entsorgungsverband Saar für die Organisation der Abfallentsorgung verantwortlich zeichnet.
„Die Tonnen gehören in den meisten Kommunen den derzeitigen Entsorgungsunternehmen, die auch für die Einsammlung verantwortlich sind“, so EVS-Geschäftsführer Dr. Heribert Gisch.“ „Um aber zu gewährleisten, dass alle Bürgerinnen und Bürger rechtzeitig ihre Aufstellungs- und Abholtermine kennen, haben wir eine umfangreiche Anzeigenkampagne geschaltet und das Thema mit redaktionellen Beiträgen und über unsere Internetseiten begleitet.“
Zwischenzeitlich wurden in allen Kommunen die neuen Tonnen aufgestellt und zwei Drittel der alten Gefäße abgeholt.
„Das Fazit dieser aufgrund ihres Umfanges bundesweit bislang einzigartigen Tauschaktion ist erfreulich. Aber wir hatten und haben auch mit zahlreichen Hürden zu kämpfen“, so Gischs Amtskollege Karl Heinz Ecker.
Dreh- und Angelpunkt für einen erfolgreichen Tonnentausch sind die Immobilien- und Gefäßdaten, die der EVS von den 45 betroffenen Kommunen zusammengetragen hat, und die für das mit dem Tonnentausch beauftragte Unternehmen Grundlage für die richtige Bestückung der einzelnen Anwesen mit neuen Gefäßen wie auch für die Einsammlung der alten Tonnen sind.
Auf unterschiedlichen Wegen zustande gekommene Unstimmigkeiten im Datenbestand – beispielsweise gesondert veranschlagte Neubaugebiete, nicht bekannte Eigentümerwechsel oder nachträgliche Änderungen von Straßennamen und Hausnummern führen im großen saarlandweiten Datenpool, den der EVS aktuell bündelt und aktualisiert, zu Nicht- oder Fehlbestückungen oder dazu, dass Gefäße nicht abgeholt werden. Wo Hausnummernzusätze wie 33a, b, c fehlen, gelangen neue Tonnen zwangsläufig zur Stammnummer 33 – die anderen Anwesen gehen leer aus.
Nicht selten lagen von Besitzern mehrerer Immobilien nur die Daten des Rechnungsempfängers + Anzahl der Tonnen vor. Zwangsläufig landen dann alle Tonnen beim Inhaber, nicht vor den einzelnen Immobilien.
In anderen Fällen mussten Eigentümer, die einen Wohnsitz außerhalb der Standortgemeinde haben, händisch herausgesucht und in der Datenbank mit dem Objekt verbunden werden.
Fehlerhafte Bestückungen können auch nicht einfach durch Umstellen der Tonnen ausgeglichen werden, denn jede Tonne ist über einen Barcode, der auf einem seitlich auf der Tonne aufgebrachten Aufkleber zu finden ist, mit dem Anwesen softwaremäßig „verheiratet“. Jede Umwidmung eines Gefäßes muss also durch Löschung und neue Zuordnung im System verankert werden.
„All’ solche Einzelfälle – und es gibt unendlich viele weitere Varianten - müssen auf die jeweilige Ursache hin geprüft werden. Sie werden nach Klärung des Sachverhaltes in eine Änderungsliste eingebracht, die nach und nach abgearbeitet wird. Der Aufwand, der jeweils dahinter steckt, ist enorm hoch“, so Dr. Heribert Gisch. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten da wirklich am Limit.“
Nicht selten muss regelrecht detektivisch gearbeitet werden, wenn Datenlage und tatsächliche Gegebenheit vor Ort nicht zusammenpassen, die Ursache aber nicht offensichtlich ist. In Telefonaten mit Kollegen in den Kommunen oder mit den Betroffenen direkt wird die Ursache ermittelt und anschließend mit den involvierten Unternehmen wiederum eine Lösung erarbeitet.
12.000 Meldungen für den Änderungsdienst sind bislang eingegangen – rund 5.500 konnten zwischenzeitlich behoben werden. In vier Wochen soll das gesamte Volumen abgearbeitet sein.
„Wir danken all’ denjenigen, die aufgrund der Antragsflut oder organisatorischer Schwierigkeiten längere Zeit auf Korrektur, Lieferung oder Abholung warten mussten oder müssen, aber durchaus Verständnis für die Situation haben. Auch in den Kommunen gibt es einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die uns tatkräftig insbesondere bei den Recherchearbeiten unterstützen,“ so Karl Heinz Ecker.
Aber eine große Anzahl weiterer Änderungsanträge wartet bereits auf Bearbeitung, denn der EVS hat auf eine entsprechende Anfrage zum Datenabgleich bei den Immobilienbesitzern eine – laut Aussage der Deutschen Post einzigartige – Rücklaufquote von über 60 Prozent erhalten. Das entspricht ca. 150.000 Stück! Ein großer Teil dieser noch zu bearbeitenden Rückmeldungen wird wiederum Änderungsanträge enthalten, so dass in den nächsten Monaten wohl noch sehr viel zu tun sein wird, bis am Ende ein wirklich „sauberer“ Datenpool steht.
„Aber der Aufwand lohnt sich“, da sind sich die beiden Geschäftsführer einig. Wir sind allen dankbar, die durch ihre Rückmeldung dazu beigetragen haben, dass wir hier weiterkommen. Denn am Ende werden alle angemeldeten Gefäße registriert sein und in der Folge bislang unangemeldete nicht mehr geleert“, so Ecker.
In der Vergangenheit haben „Schwarzmüller“ pro Jahr Gebührenausfälle von – geschätzt - ca. 800.000 Euro verursacht – zu Lasten der zahlenden Mitbürger. „Das hat mit Einführung des neuen Gebührensystems ein Ende“, ergänzt Dr. Heribert Gisch.
Die Gefäßtausch-Aktion ist ein wesentlicher Meilenstein zur Einführung des neuen leerungs- bzw. mengenbezogenen Abfall-Gebührensystems, das am 1.1.2011 in den Kommunen eingeführt wird, die die Einsammlung des Abfalls über den EVS organisieren. Bis auf St. Ingbert und Losheim, wo man sich für das Verwiegen des Mülls entschieden hat, wird auf Wunsch der jeweiligen kommunalen Räte das Leerungssystem eingeführt, bei dem die Anzahl der Leerungen starken Einfluss auf die Gebührenberechnung nimmt. Die neuen einheitlichen Tonnen sind mit einem Identifikations-Chip ausgestattet, der zur Realisierung des neuen verursachergerechteren Gebührensystems benötigt wird.
