Gewässergüte – was ist das eigentlich?

Grundlage für die Beurteilung der Gewässergüte von Fließgewässern sind biologisch-ökologische Untersuchungen. Die Stammform dieser Analyse ist das sogenannte Saprobiensystem, das im Jahre 1902 von Kolkwitz & Marsson entwickelt wurde. Ihre Basis dazu war die Beobachtung der Selbstreinigung von Fließgewässern bzw. die Reaktion von Pflanzen und Tiergemeinschaften auf unterschiedlich hohe organische Belastungen der Gewässer. Je geringer die Belastung mit leicht abbaubaren organischen Stoffen und je höher der Sauerstoffgehalt ist, um so besser ist die Gewässergüte. Saprobien sind dabei die Indikatororganismen (Pflanzen- und Tierarten), die den Grad der Gewässerbelastung anzeigen.

Seit 1975 werden Gewässergütekarten nach bundeseinheitlichen Kriterien erstellt. Das heutige DIN-Verfahren (DIN 38410) wurde auf der Basis des Saprobiensystems entwickelt und stellt eine einheitliche Liste von Bioindikatoren vor. Die Gewässergüte wird durch 7 Güteklassen klassifiziert, die aus 4 Hauptgüteklassen und 3 Zwischenstufen bestehen.

Die Gewässergüteklassen

Gewässer-
güteklasse
(Farb-
kennung)

Saprobie-
bereich

Grad der
Belastung
mit leicht
abbaubaren
organischen
Stoffen

Saprobien-
Index-Bereich

Kurze Definition der Gewässergüteklassen

I

dunkelblau

oligosaprob

unbelastet
bis sehr
gering belastet

1,0 bis < 1,5

Gewässerabschnitte mit reinem, stets annähernd sauerstoffgesättigtem und nährstoffarmem Wasser; geringer Bakteriengehalt; mäßig dicht besiedelt, vorwiegend mit Algen, Moosen, Strudelwürmern und Insektenlarven; sofern sommerkühl, Laichgewässer für Salmoniden.

I – II

hellblau

oligo- bis
betameso-
saprob

gering belastet

1,5 bis < 1,8

Gewässerabschnitte mit geringer anorganischer Nährstoffzufuhr und organischer Belastung ohne nennenswerte Sauerstoffzehrung; dicht und meist in großer Artenvielfalt besiedelt; sofern sommerkühl, Salmonidengewässer.

II

dunkelgrün

betameso-
saprob

mäßig belastet

1,8 bis < 2,3

Gewässerabschnitte mit mäßiger Verunreinigung und guter Sauerstoffversorgung; sehr große Artenvielfalt und Individuendichte von Algen, Schnecken, Kleinkrebsen, Insektenlarven; Wasserpflanzenbestände können größere Flächen bedecken; artenreiche Fischgewässer.

II – III

hellgrün

beta- bis
alphameso-
saprob

kritisch belastet

2,3 bis < 2,7

Gewässerabschnitte, deren Belastung mit organischen, sauerstoffzehrenden Stoffen einen kritischen Zustand bewirkt; Fischsterben infolge Sauerstoffmangels möglich; Rückgang der Artenzahl bei Makroorganismen; gewisse Arten neigen zu Massenentwicklung; fädige Algen bilden häufig größere flächendeckende Bestände.

III

gelb

alphameso-
saprob

stark verschmutzt

2,7 bis < 3,2

Gewässerabschnitte mit starker organischer, sauerstoffzehrender Verschmutzung und meist niedrigem Sauerstoffgehalt; örtlich Faulschlammablagerungen; Kolonien von fadenförmigen Abwasserbakterien und festsitzenden Wimpertieren übertreffen das Vorkommen von Algen und höheren Pflanzen; nur wenige, gegen Sauerstoffmangel unempfindliche tierische Makroorganismen wie Egel und Wasserasseln kommen bisweilen massenhaft vor, mit periodischem Fischsterben ist zu rechnen.

III – IV

orange

alphameso-
bis
polysaprob

sehr stark
verschmutzt

3,2 bis < 3,5

Gewässerabschnitte mit weitgehend eingeschränkten Lebensbedingungen durch sehr starke Verschmutzung mit organischen, sauerstoffzehrenden Stoffen, oft durch toxische Einflüsse verstärkt; zeitweilig totaler Sauerstoffschwund; Trübung durch Abwasserschwebstoffe; ausgedehnte Faulschlammablagerungen; durch Wimpertierchen, rote Zuckmückenlarven oder Schlammröhrenwürmer dicht besiedelt; Rückgang fadenförmiger Abwasserbakterien; Fische nicht auf Dauer und nur ausnahmsweise anzutreffen.

IV

rot

polysaprob

übermäßig
verschmutzt

3,5 bis < 4,0

Gewässerabschnitte mit übermäßiger Verschmutzung durch organische sauerstoffzehrende Abwässer; Fäulnisprozesse herrschen vor; Sauerstoff über lange Zeit in sehr niedrigen Konzentrationen vorhanden oder gänzlich fehlend; Besiedlung vorwiegend durch Bakterien, Geißeltierchen und freilebende Wimpertierchen; Fische fehlen; bei starker toxischer Belastung biologische Verödung.